Der Herd kennt keine Gnade- wirklich?

29. Mai 2021

Der Herd kennt keine Gnade – wirklich?

Kann Kochen per se entspannt sein? Nein, findet Claudia Mäder in ihrem Artikel „Der Herd kennt keine Gnade“ (NZZ-E-Paper vom 15.02.2021) und bezeichnet die Arbeit am Herd als „Fortsetzung der Arbeit mit anderen Mitteln: mit schlimmeren Mitteln und einer Härte, wie man sie im Büro kaum noch kennt heutzutage“.

Zugegeben, nicht alle erleben Kochen als Entspannung: etwa Berufsköche, wenn sie unter grossem Stress stehen oder Eltern und Betreuungspersonen, die für ihre Kinder mehrmals täglich zu bestimmten Zeiten Essen auf den Tisch stellen müssen oder wenn man nach einem vollen Arbeitstag müde nach Hause kommt und dann noch kochen muss.

Bei Hobbyköchen ist das aber ganz anders: Sie kochen aus Freude, als Hobby eben. Ein Hobby wird als eine Freizeitbeschäftigung beschrieben, die der Ausübende freiwillig und regelmässig zum eigenen Vergnügen oder der Entspannung betreibt. Der minuziöse Schwarz-Weiss Photograph Henk Roelfsema hat in einem seiner Bücher einmal bemerkt, dass Hobbyfotographen im Gegensatz zu professionellen keinen Produktionsdruck haben. Sie können sich entspannt Zeit nehmen, um sich an der Technik zu begeistern und Bilder zu perfektionieren, einfach aus Freude daran. So ist es auch beim Kochen, man kann besondere Kocherlebnisse planen und daraus ein freudiges Ereignis machen. Wenn man sich bei Zeitmangel angewöhnt, schnelle und einfache Mahlzeiten zuzubereiten, wächst die Lust, wieder einmal aufwendig und entspannt zu kochen, etwa an Wochenenden oder wenn Gäste kommen oder ab und zu auch nur ganz für sich allein.

Damit Kochen als Entspannung erlebt werden kann, sollten gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Im Buch „da Massimo“ habe ich im Prolog einige Gründe erwähnt, die das Kochen faszinierend und entspannend machen können. Dazu gehören die logistischen Überlegungen im Vorfeld, die Verarbeitungstechniken oder die Musse, wunderbare, beim Kochen entstehende Gerüche zu geniessen. Die wichtigste Ingredienz für entspanntes Kochen aber ist genügend Zeit, Zeit zum Planen, zum lustvollen Einkaufen, zum effizienten Vorbereiten und zur eigentlichen Zubereitung des Menüs.

Dann finde ich, dass Kochen durchaus eine gnädige Seite hat, denn mit etwas Kreativität können Fehler meistens korrigiert werden. Ausser dann natürlich, wenn zu viel Salz oder Gewürze beigegeben wurden. Darum ist eine meiner eisernen Regeln, beim Salzen und Würzen eher vorsichtig zu sein, denn nachwürzen kann man jederzeit. Einen anderen Trick, um Schnitzer auszubessern, verrät der Starkoch Johann Lafer in seinem Buch „Meine Kochschule“, wenn er schreibt, dass man mit Butter fast jeden Fehler beheben kann. Daran habe ich mich einmal erinnert, als mir ein Pfännchen mit Haselnusssauce unbemerkt auf eine heisse Platte des Kochfelds geriet, zu heiss wurde und die Sauce ausflockte. Nachdem ich einen Esslöffel Butter untergerührt hatte, war der Schaden behoben.

Kochen ist ja schön, meinte einer meiner Bekannten, aber es graue ihm vor dem Abwaschen und Aufräumen! Dem kann man einfach entgegenwirken. Einmal durch die Technik der aufgeräumten Küche (Buch „da Massimo“ Seite 62) zum andern kann man die Zeit des Aufräumens zur Reflexion des Abends nutzten, sich die Gespräche, das Lachen und die Kommentare zum Menü in Erinnerung rufen. Sind Abwaschen und Aufräumen abgeschlossen, setzt man sich noch etwas hin, um den Abend ausklingen zu lassen, den Rest des Rotweins zu trinken (falls vorhanden) und dann zufrieden ins Bett zu gehen.

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