Einfach Wein

12. August 2022

Einfach Wein

Wer Zitate über Wein nachschlägt, stösst auf Aussagen berühmter Persönlichkeiten aus vielen Epochen und Kulturen. Konfuzius z.B. bemerkte, dass am Rausch nicht der Wein schuld sei, sondern der Trinker. Vom griechischen Philosophen Euripides stammt die Aussage: „Wo aber der Wein fehlt, stirbt der Reiz des Lebens.“. Luther meinte markig: „Bier ist Menschenwerk, Wein aber ist von Gott!“ Galileo Galilei summierte: „Wein ist Sonnenlicht, das von Wasser zusammengehalten wird.“. Napoleon äusserte sich zu Champagner: „Im Sieg verdienst Du Champagner und in der Niederlage brauchst Du ihn.“, und Konrad Adenauer war der Überzeugung: „Ein gutes Glas Wein ist geeignet, den Verstand zu wecken.“

Wein ist populär

Wein wurde in den letzten Jahrzehnten in unserem Land immer populärer. Cleveres Marketing und Bewertungssysteme, wie etwa jenes des amerikanischen Weinkritikers Robert Parker, halten seine Popularität hoch und beeinflussen den Konsumenten. Die Schweiz ist punkto Weinkonsum in Europa an vierter Stelle mit rund 31,5 Litern pro Kopf im Jahr 2020. Spitzenreiter ist Portugal (58,8) vor Frankreich (50,7) und Italien (44,0). Es ist also nicht verwunderlich, dass über Wein gerne philosophiert wird, im Restaurant genauso wie am Tisch zu Hause oder unter Freunden und unter Geschäftskollegen. Man unterhält sich über Traubensorten, Weinanbaugebiete, Kelterungsverfahren, Lagen, Bodenbeschaffenheit, Jahrgänge, Barrique, Restsüsse, Tannin, Abgang, Chambrieren, Dekantieren usw.

Wein wird allerdings nicht produziert, um darüber zu sprechen, sondern um ihn zu geniessen. Und damit sind wir bei der Hauptsache: Wein verlangt einen ehrlichen Umgang. Die Italiener sagen es treffend: „Due cose devono essere sincere: gli amici ed il vino“ (Zwei Dinge müssen aufrichtig sein: Freunde und Wein). Diese Ehrlichkeit zeigt sich vor allem darin, den Mut zu haben, sich nicht von Etiketten, Prestige oder Preis beeinflussen zu lassen. Die verlässlichste Methode für ein ehrliches Resultat ist der Blindtest. Ein Freund erzählte mir von seinem Erlebnis bei einem privaten Weintasting: Alle Flaschen waren in Packpapier eingepackt und den Teilnehmern wurden keine Informationen zu den Produkten gegeben. Es ging einzig darum festzustellen, welcher Wein ihnen am besten mundete. Gewinner war ein Mittelklasse Wein eines Grossverteilers vor einem teureren Bordeaux. Nun kann man einwenden, dass die Tester natürlich keine Profis waren, aber das Resultat zeigt trotzdem, dass man sich für geschmackvollen Wein nicht unbedingt bei den teuersten Produkten andocken muss.

Wein als Geschmackserlebnis

Menschen, die eine derart feines Sensorium haben, um bei Weinen nicht nur die Traubensorte, sondern auch noch den Jahrgang und die Herkunft herausfinden zu können, sind selten. Hingegen kann sich jeder, der will, bis zu einem gewissen Grad im Weintasting üben. Dabei vergegenwärtigt man sich die Hauptgeschmacksanteile des Weins: Säure, Süsse, Tannin und Aromen. Ein Wein ohne Säure ist langweilig, mit zu viel Säure aggressiv. Ein zu süsser Wein ist klebrig, hat er wenig Süsse, wird er als streng empfunden. Weine ohne Tannin nimmt man als eher flach, dünn oder kraftlos wahr, bei zu viel Tannin kratzt es am Gaumen oder es ziehen sich die Mundschleimhäute zusammen. Solcher Wein wird herb, manchmal sogar bitter empfunden. Die Aromen können sehr vielfältig sein, von Zitrusnoten (bei Weissweinen) über blumige Aromen, Beerenvarianten, Kirschen bis zu schwereren Aromen wie z.B. Dörrzwetschgen oder schwarzer Schokolade.

Wein servieren

Wein sollte so vorbereitet werden, dass er beim Ausschenken die ideale Temperatur hat. Allgemein wird für Weissweine und Rosé eine Trinktemperatur von 10 – 12 Grad, für Rotweine 16 – 18 Grad und für Schaumweine 6 – 8 Grad C empfohlen. Manche Flaschen tragen auf der hinteren Etikette eine entsprechende Empfehlung.

Nach dem Entkorken schnuppert man am Zapfen, um einen ersten Hinweis darauf zu bekommen, ob der Wein fehlerhaft ist. Macht sich bereits ein unangenehmer Geruch bemerkbar, könnte dies ein Hinweis darauf sein, dass der Wein Zapfen hat. Um sicher zu gehen, schenkt man einen kleinen Schluck ins Glas ein und riecht daran, ohne das Glas zu Schwenken. Anschliessend schwenkt man das Glas sachte und beurteilt den Duft nochmals. Ist er angenehm, dann ist alles in Ordnung, riecht es mufflig oder modrig, dann hat der Wein Zapfen und kann nicht serviert werden. Übrigens raten Köche davon ab, Wein mit Zapfen noch zum Kochen zu verwenden, weil sich der muffig-modrige Geschmack auf das Essen übertragen kann.

Manche Weine prickeln nach dem Einschenken leicht, entwickeln dabei kleine Bläs­chen im Glas, die sich an der Oberfläche meist sternartig sammeln und relativ rasch wieder vergehen. Auch dies ist kein Anlass zur Panik. Die Bläschen sind nichts anderes als Reste natürlicher Kohlensäure, die während der Gärung entstand. Ein kleiner Teil davon bleibt im Wein gelöst, auch nachdem dieser schon in der Flasche ist, und wird beim Öffnen der Flasche frei­gesetzt.

Alkoholreiche Weine erzeugen nach sanftem Schwenken an der Glaswand stärkere Tränen und manchmal spitzbogige „Kirchenfenster“, alkoholärmere Weine schwächere Tränen und rundbogige „Kirchenfenster“. Über die Qualität eines Weins geben die Tränen keinen direkten Aufschluss.

Wein beurteilen

Das folgende einfache Vorgehen eignet sich gut, um einen Wein zu beurteilen. Zuerst kommt das Auge zum Zug: ein Blick ins Glas gibt Auskunft über Farbe, Glanz und Dichte. Gesunder Wein hat klare Farben. Ist ein Wein bräunlich, dann hat er wahrscheinlich oxydiert und schmeckt in der Regel nicht mehr gut. Bei älteren roten Weinen ist jedoch ein Braunton, der entlang des Glasrandes zuerst sichtbar wird, normal: Je älter der Wein, desto stärker die Brauntöne. Erst Geruch und Geschmack entscheiden dann über die Trinkbarkeit.

Nach der visuellen Begutachtung ist Riechen angesagt. Dabei sollte man zuerst am ungeschwenkten Glas schnuppern, denn so können feinflüchtige Aromen entdeckt werden. Anschliessend wird der Wein leicht geschwenkt, was zum Entweichen weiterer Düfte führt.

Als nächstes nimmt man einen Schluck, so dass der Wein Zunge und Gaumen gleichermassen erreicht. Dabei nimmt man zuerst die süssliche Seite des Weines wahr. Anschliessend geräuschlos etwas Luft einsaugen und den Wein im Mund gegen den Gaumen drücken. So zeigt sich nach einigen Sekunden die Vielschichtigkeit des Weins, und vorhandene Gerbstoffe belegen Zunge und Gaumen mit leicht pelzigem Gefühl. Nun wird der Wein geschluckt, und man merkt sofort, ob er kräftig oder schwach schmeckt. Bleibt ein wässriger, säuerlicher Geschmack zurück oder ein angenehmes Gaumengefühl mit Aromen und einer weichen Ausgewogenheit von Säure und Gerbstoffen?

Auf dem Flaschenboden setzt sich manchmal Weinstein ab. Sein Vorhandensein ist weder ein Fehler noch ein zwingendes Qualitätsmerkmal und hat für Menschen keine schädlichen Auswirkungen. Es ist lediglich ein Hinweis darauf, dass der Wein beim Ausbau nicht oder nur unzureichend chemisch oder physikalisch stabilisiert wurde. Vor allem schwerere und lange gereifte Rotweine werden gelegentlich dekantiert, um Weinstein vom Wein zu trennen, aber auch um dem Wein Sauerstoff zuzufügen.

Wein als Begleiter oder Solist

Wein ist ein idealer Essensbegleiter. Dazu gibt es eine alte Faustregel: Weissweine für Fisch, Geflügel und helles Fleisch und Rotweine für gebratenes, gegrilltes oder geschmortes rotes Fleisch. Allerdings folgt man heutzutage dieser Regel nicht mehr uneingeschränkt, sondern eher persönlichen Vorlieben, was ich sogar in Italien beobachtet habe.

Wein braucht aber nicht nur die Begleiterrolle einzunehmen, er kann durchaus auch als Protagonist auftreten. Dazu gibt es den schönen Begriff „Meditationswein“. Man trinkt einen geeigneten Wein zum Plaudern in fröhlicher Runde, zum Lesen allein oder beim Tête-a-Tête mit einer geliebten Person.

Das überwältigende Angebot an Weinen, dem wir heute gegenüberstehen, lädt zum Testen gerade zu ein. Dabei gibt es auch im mittleren Preissegment viele gute Weine. Finde heraus was Dir schmeckt und befolge den biblischen Ratschlag: „Darum iss dein Brot und trink deinen Wein und sei fröhlich dabei! So hat es Gott für die Menschen vorgesehen und so gefällt es ihm“ (Pred 9:7).

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