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Es lebe das leidenschafltiche Kochen zu Hause

30. März 2020

Es lebe das leidenschafltiche Kochen zu Hause

In den letzten Monaten liessen mich ein paar Sätze in Artikeln von Zeitungen und Magazinen aufhorchen: „Die privaten Küchen sind am Verschwinden“ (Migros Zeitung vom 24. Februar 2020), „Geisterrestaurants – Das Restaurant der Zukunft hat keine Gäste“ (NZZ Folio Nr. 3/2020) oder „In zehn Jahren dürften die meisten Appartements  – wenn überhaupt – nur noch eine kleine Kochnische haben, wo man das Nötigste aufwärmen kann“ (NZZ Wall-Street-Notizen in einer Ausgabe von 2019). Neue Begriffe wie „Ghost Kitchen“ für die Bezeichnung von Küchen ohne Restaurants, in denen nur zur Auslieferung gekocht wird, oder „Dark Kitchen“ für Küchen, die von Delivery-Providern betrieben werden, tauchen auf.

Nicht nur sollen also wie bis anhin die gute alte Pizza vom Kurier kommen (wenn meistens auch in nicht so überzeugender Qualität), sondern auch allerlei Menus. Was in den USA und in grossen europäischen Metropolen wie London, Berlin oder Wien zu funktionieren scheint, hat es in der Schweiz eher schwer. Gemäss dem oben erwähnten Folio Artikel sind Lieferküchen in unserem Land mindestens vorläufig gescheitert. Es werden verschiedene Gründe dafür angegeben: Die zu hohen Kosten der Mahlzeiten, die Mentalität der Menschen oder die Tatsache, dass selbst jene, die Lieferessen verkaufen, selbst kaum Lieferessen bestellen.

 Man sollte neuen Ideen gegenüber nicht verschlossen sein, und es ist verständlich, dass wegen des starken beruflichen Engagements für viele Menschen nur wenig Zeit zum Kochen bleibt. Ausserdem ist es bequem, wenn das Essen per App, Webseite oder auf einem anderen elektronischen Weg bestellt und innert kurzer Zeit geliefert werden kann. Betrachtet man jedoch diese Konzepte, dann stellt man fest, dass die meisten ein Ersatz für das Kochen zu Hause darstellen. Sind aber solche Zukunftsaussichten nicht eher trist?

 Man stelle sich vor, das Essen würde nur noch an wenigen Punkten hergestellt, bei denen private Personen, wie auch Restaurants, Kantinen usw. die Mahlzeiten beziehen könnten. Wie viel an Kreativität, Leidenschaft, Originalität und Küchenkunst würde da verloren gehen! In diesem Zusammenhang wirkt die Mahnung von Nonna Giuliana im alten Büchlein Le ricette di Giuliana schon fast prophetisch: „An meine liebsten Enkelkinder, damit sie sich nicht zu sehr von den heutigen Gewohnheiten ‚überwältigen‘ lassen und sich nicht von jener Kunst des Kochens fernhalten, die nicht nur demjenigen Freude und Vergnügen schenkt, der davon profitiert (dem ‚Esser‘), sondern im Besonderen auch dem, der sie ausführt, ob Koch oder Köchin.“

 Selbst Dominic Millioud, der CEO von „eat.ch“, dem grössten Schweizer Lieferdienst, glaubt nicht, dass die Heimküche verschwindet. Er kann sich vorstellen, dass sie eine neue Funktion übernehmen wird, sozusagen als Entschleunigungs Küche am Wochenende. In meinem Buch da Massimo“ habe ich schon auf diese Möglichkeit hingewiesen und geschrieben: Selbst wenn man sich in der heutigen schnelllebigen Zeit für gepflegte Mahlzeiten im Alltag kaum mehr Zeit nimmt und man sich leider manchmal mit Fastfood begnügen muss, sollte wenigstens einmal in der Woche Zeit für ein gepflegtes Essen sein. Dabei kommt es überhaupt nicht auf die Menge oder die Komplexität der Zubereitung an, sondern auf die Qualität, die Freude und die Zufriedenheit, die gepflegtes Essen auslösen.

 Gerade jetzt, da wegen der Corona-Pandemie viele Menschen gezwungen sind, zu Hause zu bleiben, kann man sich sehr gut zum Kochen Zeit nehmen.

 Es lebe also das leidenschaftliche Kochen zu Hause!

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