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Mein Name ist Cardi

23. Dezember 2019

Mein Name ist Cardi

Cardi ist ein Wintergemüse, das ich bisher nie verwendet habe. Zu dieser Gemüseartischocke mit dem lateinischen Namen “Cynara cardunculus“ schreibt Wikipedia, dass man sie – sage und schreibe in Bern – Cardon nennt, in gewissen Gebieten Deutschlands Kardon und in England Cardoon.

Mir war dieses Gemüse auf dem Markt zwar schon begegnet, aber es schien mir wegen der bleichen Farbe nicht besonders attraktiv. Die Stängel gleichen jenen des Stangenselleries oder der Rhabarber, sind aber breiter und fester und liegen so eng aneinander, dass sie wie ein solides Paket aussehen.

Als ich kürzlich wieder einmal in Experimentierlaune über den Markt ging, habe ich es dennoch gewagt, cardi zu kaufen. Unser italienischer Gemüsehändler bot sie an, und ich fragte ihn, wie man sie kocht. Er meinte, man verarbeite sie zu einer Art Gratin und beschrieb mir vage eine Zubereitungsmöglichkeit.

Zu Hause angekommen, machte ich mich auf die Suche nach italienischen Rezepten mit diesem Gemüse. Da cardi im Bel Paese vielseitig eingesetzt werden, war es einfach, verschiedene Zubereitungen zu finden, und schliesslich entschied ich mich für cardi in umido (geschmorte cardi). Mit Spannung bereiteten wir das Gericht an einem Abend als ein antipasto zu. Glücklicherweise wurde beschrieben, wie man die cardi rüstet. Man muss die äusseren Fasern mit einem Sparschäler abschälen und die Stücke dann in Zitronenwasser legen, damit sie sich nicht verfärben. Wir waren sehr gespannt darauf, wie sie schmecken würden und waren dann vom artischockenartigen Geschmack dieses Gemüses sehr angetan, was uns anregte, weitere Rezepte auszuprobieren. Schliesslich kamen wir auf die Idee, mit cardi einen risotto zu kochen. Da das Resultat dieser Eigenkreation überraschend gut war, wage ich es, das Rezept auf meine Webseite zu stellen.

Es gibt auch eine zuppa di cardi, die in vielen Gegenden Italiens zum Weihnachtsessen gehört. Dieses einfache, ursprünglich bäuerliche Gericht, passt sehr gut zu den anspruchslosen Umständen der Geburt Jesu, die an Weihnachten gefeiert wird und ist ein angenehmer Gegensatz zu den manchmal komplizierten und opulenten Weihnachtsmenus.

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